Lebenslanges Lernen?

16 Aug 2010

Das Thema „lebenslanges Lernen“ ist für mich ein Dauerbrenner-Thema und auch ein Markt mit großen langfristigen Perspektiven. Daher wundert es mich immer wieder, dass nicht viel mehr Menschen sich in verschiedenen Phasen ihres Lebens mit Weitbildung, Aufbaustudium etc. beschäftigen. Wenn wir bis zum 67. oder gar bis zum 70. Lebensjahr arbeiten sollen und werden, wie kann dann die Schulbildung inklusive einer Berufsausbildung bzw. eines grundständigen Studiums für immer, d.h. für die nächsten 40 Jahre ausreichen. Uns allen ist klar, wie schnell sich die Technik weiterentwickelt und wie schnell sich Branchen- und Unternehmensstrukturen verändern. Auch wir müssen mit diesem schnellen Wandel mithalten und uns immer wieder neu ausrichten.

Ich möchte Menschen motivieren, ihre Chancen besser wahrzunehmen. Unsere gesamte Entwicklung in Deutschland läuft doch darauf hinaus, dass die bislang eher theoretisch diskutierten Themenfelder ‚lebenslanges Lernen’ und der vielbeklagte Fachkräftemangel zielstrebig angegangen werden müssen.  Dort liegen doch auch Ihre Chancen. Jetzt ist für jeden die Zeit darüber nachzudenken welche Schritte sie/er im Rahmen einer Weiterbildung oder eines Studiums gehen möchte. Nur so können Sie ihr Leben lang Ihre ganz persönlichen Chancen und Möglichkeiten am Besten wahrnehmen.

Herzlichst,

Prof. Dr. Eva Schwinghammer
Rektorin AKAD Hochschule Stuttgart

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18 Kommentare »

RoteListe:

Sehr geehrte Frau Prof. Schwinghammer,

als Rektorin einer Weiterbildungseinrichtung müssen Sie natürlich Werbung für “lebenslanges Lernen” machen, wofür ich durchaus Verständnis habe. Aber, mal ganz ehrlich, ist “lebenslanges Lernen” nicht wieder nur so ein neuer Gummibegriff aus dem Floskelarsenal von Politikern und Wirtschaftsbossen, die uns die Rente mit 67 oder 70 schmackhaft machen wollen, ohne dass es ausreichend und vor allem angemessene Arbeitsplätze gäbe, die wir mit unseren ganzen Weiterbildungen noch ausfüllen könnten? Für mich klingt “lebenslanges Lernen” manchmal auch ein bisschen nach “lebenslänglich” oder “Hamsterrad”…

16.08.2010 | 16:34

@RoteListe: Abgesehen davon, dass ich auch künftig nicht damit rechne, das eine Vielzahl der Menschen tatsächlich bis 67 oder gar 70 Jahren in der Lage sein wird zu arbeiten (es handelt sich hier wohl eher um eine versteckte Renten-Reduzierung) denke ich aber doch, dass wohl eher qualifizierte Menschen auch in späteren Berufsjahren noch Jobs bekommen, als weniger qualifizierte. Daher denke ich auch, dass lebenslanges Lernen (formell wie informell) der richtige Weg ist. Allerdings fällt dies natürlich auch leichter, wenn man Lernen als Chance sieht, und nicht als Strafe, wie es bei Ihrem Beitrag durchklingt.

16.08.2010 | 18:24
RoteListe:

Völlig d’accord. Wollte nur ein wenig Wasser in den Wein gießen. Ich lerne nämlich auch ohne “lebenslang” gerne bis ich in die Grube fahre, und zwar einfach weil Lernen Freude macht. Trotzdem (oder deswegen) finde ich den politisch gewollten Begriff seltsam.

16.08.2010 | 18:41

Die meisten werden körperlich und auch seelisch vielleicht nicht in der Lage sein bis zum 67ten Lebensjahr zu arbeiten aber man sieht doch wie schnell solche Grenzen mal hochgesetzt weren, sprich jetzt bald bis zum 70ten Lebensjahr arbeiten. Wenige Firmen bieten noch Fortbildungen usw an weil das Geld auch knapp wird und den Menschen denen es Angeboten wird, sollten es doch dankbar annehmen.

16.08.2010 | 19:02

Der Begriff des »lebenslangen Lernens« (LLL) hat in der Tat eine unterschwellige negative Konnotation. Ähnlich wie (oben ja bereits angemerkt) »lebenslänglich« impliziert er neben einer gewissen Unfreiwilligkeit auch einen unbestimmten Grad an Hoffungslosigkeit.

Von nicht wenigen Menschen wird der Terminus als etwas Zwanghaftes verstanden, das aus einer nie zu gewinnenden Aufholjagd der eigenen Qualifikation gegenüber der sich ständig verändernden (technologischen) Entwicklung resultiert.

Um diesen unerwünschten Nebeneffekt zu umgehen, ist mir der Begriff des »lebensbegleitenden Lernens« erheblich sysmpatischer.

Doch hier geht es ja weniger um eine semantische Diskussion. Um auf das Ausgangsposting zurückzukommen: Über die Notwendigkeit dauernden (Weiter-)Lernens dürfte sich wohl kaum ernsthaft streiten lassen, wenn man die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte betrachtet, besonders unter dem Gesichtspunkt der technologischen Umwälzungen und der damit verbundenen Konsequenzen für den Arbeitsmarkt.

Sicher ist die Forderung nach LLL vor allem auf der politischen Bühne erfunden und dort auch instrumentalisiert worden. Ich denke aber, wenn es Frau Schwinghammer und ihren KollegInnen gelingt, das lebensbegleitende Lernen nicht als unerwünschte, äußere Zwanghaftigkeit sondern als zusätzliche Chance für jeden Einzelnen zu »verkaufen«, dann wird sich auch die Einstellung zum Thema positiv verändern.

17.08.2010 | 08:18

Wenn Firmen anbieten, Weiterbildungen etc. zu finanzieren, sollte man dies in der Tat dankend annehmen. Aber darum ging es hier ja nicht, sondern eher um die selbst-finanzierte Weiterbildung, um die es sich bei den meisten Fernstudenten handelt. Also Investition von Zeit + Geld, um den Anspruch an lebenslanges Lernen gerecht zu werden.

17.08.2010 | 08:23

Ich denke nicht das lebenslanges lernen ein polititsch gewollter oder konstruierter Begriff ist. Den Begriff gibt es schon länger – und hat nicht nur eine wirtschaftliche und politische facette: http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E32B92A94219C4837B3F54EB1A6926588~ATpl~Ecommon~Scontent.html

17.08.2010 | 08:28

[...] fidefernstudium Einen Kommentar hinterlassen Kommentare lesen Im Blog der AKAD ist eine rege Diskussion zur Frage entstanden, ob Lebenslanges Lernen wirklich so ein tolles Konzept ist – [...]

17.08.2010 | 08:44
Steinhofen:

Lebenslanges Lernen ist psychologisch betrachtet eine furchtbare Banalität. Es wird doch wohl niemand ernsthaft glauben, dass das Hirn einschläft, wenn es aus der Schule entlassen wird.

Was gemeint ist, ist aber was ganz anderes: Es geht in der Tat darum, dass die Leute sich permanent weiterqualifizieren sollen. Wer das nicht macht, so die frohe Botschaft, wird mit Arbeitslosigkeit bestraft oder bedroht. Auch so kann man natürlich die Transformationsprobleme einer globalen Ökonomie bearbeiten. Der Blick wird nicht mehr auf die Abzocker gelenkt, die sich fleißig am Markt die Taschen füllen; wer aus dem Wirtschaftskreislauf rausfliegt und Harz IV kassiert, ist es halt selber schuld. Warum lernt er auch nichts?

17.08.2010 | 09:36

Das sicher nicht. Wer ehrlich ist “lernt” jeden Tag durch neue Erfahrungen usw. Wenn er/sie nur offen dafür ist. Die Frage, die sich mir dabei vielmehr stellt ist, inwieweit wollen wir den Anspruch an Weiterbildung der Politik und den Unternehmen überlassen und inwieweit wollen oder sollen wir das selbst übernehmen. Natürlich ist das Aufwand an Zeit und Finanzen, aber bislang hat noch keiner gesagt, dass der Payback höher ist als bei jeder Verzinsung oder gar Verrentung. Warum investieren wir Menschen in alles mögliche, aber nur sehr zögerlich und selbstverantwortlich in Weiterbildung?

17.08.2010 | 10:26
RoteListe:

Ist das, sehr geehrte Frau Prof. Schwinghammer, wirklich der Punkt? Wer ist denn “wir Menschen”? Die gut qualifizierten Studierenden, die an Fernhochschulen weitere Qualifikationen sammeln? Und natürlich ist der Begriff “lebenslanges Lernen” eine Banalität (danke, “Steinhofen”)! Menschen, die neugierig sind, Muße haben und ein ermutigendes Umfeld, werden sich neuen Inhalten kaum verweigern, sondern freiwillig und mit Freude lernen (und dann vielleicht auch “innovativ” sein, um einen anderen modernen Gummibegriff zu benutzen). Die Frage ist nur: Wollen “wir” lebenslang lernen, weil andere, sprich: Politik und Wirtschaft, das so wollen, oder weil wir Angst vor Hartz IV haben oder davor, im globalen Hamsterrad von den Chinesen überholt zu werden? Hier fängt für mich die Fragwürdigkeit des Konzepts an, das sich grundsätzlich natürlich sehr positiv anhört. Es ist aber wie bei vielem: Was sich erst einmal vernünftig und gut anhört, ist nicht unter allen Umständen auch vernünftig und gut.

17.08.2010 | 11:21
Marion W.:

Bei der Argumentation für ein lebenslanges Lernen wird zudem der Faktor der Hirnleistung im Alter nicht berücksichtigt. Oder wird in Ihren Seminaren, Frau Prof. Dr. Schwinghammer, künftig auf neue Erkenntnisse zum Lernen im Alter gesetzt, arbeiten Sie mit entsprechenden Forschungseinrichtungen zusammen? Oder wendet die Akad im gesamten Altersrange die gleiche Didaktik an? Ein Exkurs, wenn auch nur in Form einer Studienarbeit: http://www.oegkv.at/uploads/media/knoller.pdf

Man kann viel anbieten und bewerben, aber m.E. fehlen fundierte Konzepte, gar ggf. Kenntnisse, nicht nur bei Akad.

17.08.2010 | 11:52

Vielleicht interessiert es Sie, dass ich mir diese Meingung nicht in dem noch relativ neuen Umfeld AKAD, sprich in den letzten 4 Monaten marketingwirksam angeeignet habe, sondern vielmehr nach 12 Jahren Arbeit in der Industrie. Es hat mich immer wieder erstaunt, dass viele Mitarbeiter viele Jahre auf Ihren Arbeitsstellen bleiben und dabei oft sehr unzufrieden sind, aufgrund mangelnder Entwicklungsmöglichkeiten. Nur in sehr seltenen Fällen hat sich jemand aufgerafft und durch ein Ferstudium oder eine Weiterbildung seine Attraktivität für das Unternehmen oder auch andere Arbeitgeber in der Industrie erhöht und damit sein Ziel auch realisiert. Viele bleiben auch ihren Stellen und bringen diesen Mut, die Initiative nicht auf. Und daher meine Frage: Warum?

17.08.2010 | 12:55

Aber ich gebe Frau W. vollkommen Recht. Lernen im Alter erfordert neue Lernmethoden und Konzepte. Keine Frage, die habe ich noch nicht in der Schublade. Aber das Thema, dass Sie anreißen interessiert mich sehr. Egal wie wir es letztlich nennen, für alle Lebensphasen benötigen wir die richtigen didaktischen Ansätze. Vielen Dank für den Impuls.

17.08.2010 | 12:57
RoteListe:

Sehr geehrte Frau prof. Schwinghammer,

Trägheit des Herzens und/oder des Geistes – Acedia – gilt ja bekanntlich als eines der berühmten sieben Laster (nicht Todsünden, wie oft behauptet). Und dass daraus manche Sünde folgt, stimmt auch. Aber ist Ihre subjektive Beobachtung denn auch valide?
Viele Mitarbeiter bekommen von Ihren Vorgesetzten keinerlei Unterstützung, geschweige denn Entgegenkommen, wenn sie sich weiterbilden wollen, was wohl u.a. daran liegt, dass besser (weiter-)gebildete Mitarbeiter eher einen beruflichen Wechsel ins Auge fassen (so wie vermutlich auch in Ihrem Fall). Und das sieht der alte Arbeitgeber dann eben nicht so gerne…

17.08.2010 | 13:29

@rote Liste: eine Validität kann ich nicht versprechen, da ich keine statistisch valide Erhebung durchgeführt habe. Was die Trägheit angeht, stimme ich Ihnen zu, auch was die Haltung vieler Unternehmen angeht. Nicht umsonst studieren auch viele quasi “heimlich”. Aber die Selbstverantwortung können wir nicht einfach streichen. Das wäre doch zu einfach. Wir sind auch aktiv und gehen an Unternehmen ran, leisten Überzeugungsarbeit etc. wie demnächst bei einem Tag des Mittelstands, dennoch ist es auffällig, dass die wenigsten Studenten/innen mit Unterstützung des Arbeitgebers studieren, sondern aufgrund ihres eigenen Willens. Diesen zu stärken, um die Trägheit zu überwinden, das ist eben so ein Traum…..

17.08.2010 | 15:54

Viele denken Sie kommen mit einer Weiterbildung nicht weiter was von Grund auf falsch ist. Ohne lernen geht es im Leben ja nicht zumal man ja nicht nur in der Schule lernt und dann fertig ist.

Viele schaffen es aber auch zeitlichen Gründen nicht ein Fernstudium zu absolvieren. Wenn man aber einen festen Willen hat, schafft man es aber schon beides unter einen Hut zu bringen.

Wir ermutigen jeden dazu einen solchen Schritt zu gehen wenn die Möglichkeit besteht.

12.11.2010 | 12:26

Ohne Lernen geht es nicht weiter im Leben. Die Anforderungen um einen guten Job zu bekommen werden immer höher.

03.12.2010 | 10:35
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